Gründung und Geschichte der Internationalen Gesellschaft für Elektrosmog-Forschung IGEF
Anfänge und Motivation
In den 1970er-Jahren häuften sich Medienberichte über gesundheitsschädliche Stoffe wie giftige Holzschutzmittel, Formaldehydgase aus Spanplattenmöbeln und dioxinhaltige Kleber für Teppichböden. Diese Berichte veranlassten Wulf-Dietrich Rose, gemeinsam mit Prof. Anton Schneider sowie Architekten, Chemikern und Bauexperten, 1975 das Institut für Baubiologie Rosenheim zu gründen. Ziel war es, Ursachen für gesundheitliche Beschwerden im Wohnbereich zu identifizieren und alternative, gesundheitsverträgliche Baumaterialien zu entwickeln. Die Medien berichteten über dieses Vorhaben, und bald wandten sich zahlreiche Betroffene an das Institut für Baubiologie, da sie vermuteten, dass sie durch ihre Wohnung krank wurden.
Erste Erkenntnisse und Herausforderungen
Raumluftanalysen in Hunderten von Wohnungen durch Experten des Instituts führten schnell zur Identifikation von Schadstoffquellen, und durch gezielte Maßnahmen konnte vielen Betroffenen geholfen werden. Dennoch blieben die Ursachen für einige Beschwerden, insbesondere Schlafstörungen, ungeklärt, da Raumluftanalysen nicht alle Ursachen erklären konnten. Die Suche nach weiteren Einflussfaktoren führte zu russischen Forschungsergebnissen über die biologischen Wirkungen elektromagnetischer Felder und Strahlung (EMF), die im Westen zunächst wenig Beachtung fanden.
Gründung der IGEF
Wulf-Dietrich Rose gelang es, renommierte Experten wie Prof. H. L. König (Ludwig-Maximilians-Universität München), Prof. Ulrich Warnke (Universität des Saarlands) und Prof. András Varga (Universität Heidelberg) für den Wissenschaftlichen Beirat des Instituts zu gewinnen. Gemeinsam gründeten sie 1990 die Internationale Gesellschaft für Elektrosmog-Forschung (IGEF). Ziel war es, die biologischen Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf Menschen, Tiere und Umwelt zu erforschen und Schutzmaßnahmen zu entwickeln.
Entwicklung von Messmethoden und Schutzmaßnahmen
Rose drängte auf flächendeckende EMF-Messungen in Wohnungen gesundheitlich beeinträchtigter Personen, um praktische Schutzmaßnahmen zu erarbeiten. In den 1990er-Jahren waren solche Messungen jedoch aufwendig und kostspielig, oft mit Kosten von mehreren Tausend DM pro Untersuchung verbunden. Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit wurden standardisierte Messverfahren eingeführt, die innerhalb von zwei Stunden ein aussagekräftiges Protokoll lieferten. Diese Protokolle bildeten die Grundlage für Beratungen zu Schutzmaßnahmen, die oft überraschend einfache Lösungen zur Reduzierung elektromagnetischer Felder boten und die Gesundheit sowie Schlafqualität der Betroffenen deutlich verbesserten.
Ausbildung und internationale Verbreitung
Das wachsende Interesse an Elektrosmog-Messungen führte zur Entwicklung von Schulungsprogrammen. Die IGEF-Akademie bildete in Zusammenarbeit mit Experten für Hochfrequenzmessung und Abschirmtechniken Hunderte von Elektrobiologen in acht Ländern aus. In einigen Ländern entstanden eigenständige IGEF-Büros. Der Begriff „Elektrosmog“ wurde zunehmend von Strahlenschutzbehörden und in der Forschung übernommen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Debatte
Die Forschung zu elektromagnetischen Feldern wurde weltweit intensiviert, insbesondere zu den Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung. Studien belegen, dass EMF die Zellkommunikation, Gehirnfunktionen und das Erbgut beeinflussen können, mit Risiken wie Krebs oder psychischen Störungen. Schon 2001 warnte Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, vor Gesundheitsrisiken durch Mobiltelefone und empfahl Vorsichtsmaßnahmen wie kurze Telefonate und den Verzicht auf Handynutzung im Auto ohne Außenantenne. 2008 forderte der BUND in seinem Positionspapier „Für zukunftsfähige Funktechnologien“ politische Maßnahmen gegen die zunehmende Strahlenbelastung.
Fortschritte und Herausforderungen
Bis 2025 wurden über 50.000 wissenschaftliche Publikationen zu EMF veröffentlicht, die die Dringlichkeit einer Reduzierung elektromagnetischer Emissionen belegen. Handyhersteller zeigten, dass die Handystrahlung kostenneutral auf ein Tausendstel reduziert werden kann, doch die Umsetzung in die Praxis bleibt begrenzt. Beratungen mit Herstellern von Haushaltsgeräten ergaben, dass einfache technische Maßnahmen ausreichen, um Strahlung auf gesundheitlich unbedenkliche Werte zu senken – oft mit minimalem Kostenaufwand.
Das ALARA-Prinzip und die IGEF-Zertifizierung
Trotz jahrelanger Diskussionen über verbindliche Grenzwerte für EMF im Wohnbereich konnte kein internationaler Konsens erzielt werden. Auf Vorschlag von Wulf-Dietrich Rose übernahm die IGEF das ALARA-Prinzip („As Low As Reasonably Achievable“), das eine möglichst geringe Strahlenbelastung bei vertretbarem Aufwand fordert. Seit 1980 ist ALARA Teil europäischer Sicherheitsnormen. Die IGEF prüft und zertifiziert Produkte nach strengen Kriterien hinsichtlich ihrer elektromagnetischen Verträglichkeit. Zertifizierte Produkte erhalten das IGEF-Prüfsiegel, das beim Deutschen Patent- und Markenamt (Reg.-Nr. 302016212968) und als europäische Unionsmarke (Nr. 016773988) eingetragen ist. Die Zertifizierung basiert auf physikalisch-technischen Messungen und gegebenfalls Tests zur Herzfrequenz-Variabilität.
Die IGEF heute
Die Internationale Gesellschaft für Elektrosmog-Forschung IGEF Ltd ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die sich für eine verantwortungsbewusste Nutzung elektromagnetischer Strahlung einsetzt. Unabhängig von wirtschaftlichen, politischen oder religiösen Interessen erforscht die IGEF die Ursachen und Folgen von Elektrosmog und fördert umweltverträgliche Technologien. Ziel ist es, durch Forschung, Beratung und Zertifizierung elektromagnetisch verträglicher Produkte die Gesundheit von Menschen, Tiere sowie die Umwelt zu schützen.
Sollten Sie nach weiteren Quellen suchen, dann empfehlen wir Ihnen dringend das EMF-Portal der RWTH Aachen zu besuchen. Es ist eine unschätzbare Ressource, die umfangreiche wissenschaftliche Forschungsdaten zu den Auswirkungen elektromagnetischer Felder (EMF) sorgfältig zusammenstellt und zusammenfasst. Die Website finden Sie unter www.emf-portal.org.
Wir prüfen und zertifizieren die elektromagnetische Verträglichkeit Ihrer Produkte
Hersteller von elektronischen und elektrischen Geräten können das IGEF-Prüfsiegel werblich nutzen, um auf die geringe elektromagnetische Emission ihres Produktes aufmerksam zu machen.
